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- eine Begriffsbestimmung -
Axel Grimm, September 2005
Beschreibung der Bedeutung
Der Begriff „Wachstum“ im wirtschaftlich /
politischem Umfeld ist
das Wachstum des Wachstums des Bestandes.
In einer Volkswirtschaft wird jährlich eine Menge Waren und Dienstleistungen produziert. Als Maßstab wird hierzu das Bruttosozialprodukt oder das Bruttoinlandsprodukt genutzt. Wird von Wachstum gesprochen, dann ist damit die Steigerung der jährlichen Produktionsmenge gemeint.
Das heißt:
Was heißt das für den Bestand im Sinne der vorhandenen Warenmenge:
Um das in das richtige Licht zu stellen ist zunächst eine Betrachtung der jährlichen Produktionsmenge notwendig. Die Produktionsmenge setzt sich aus
zusammen. Der Anteil der kurzlebigen Güter und der Dienstleistungen erhöhen innerhalb eines Jahres nicht den Bestand. Nur die mittelfristigen und langlebigen Güter wirken bestandvermehrend.
Zurück zur Produktionsmenge. Bei einer ständigen Ausweitung der jährlichen Produktion, erhöht sich zwangsläufig der Warenbestand einer Volkswirtschaft oder anders ausgedrückt: Der materielle Wohlstand wächst jedes Jahr schneller als im Jahr zuvor.
Was heißt Nullwachstum:
Nullwachstum im wirtschaft-politischem Verständnis bedeutet, das jedes Jahr die gleiche Menge produziert wird, nicht mehr aber auch nicht weniger. Der Güterbestand nimmt trotzdem zu, der materielle Wohlstand wächst. Bei dauerhaften „Null“wachstum nimmt der Anteil der Produktion der langlebigen Güter ab, die anderen Güterarten nehmen zu. Das ist leicht verständlich, da im Laufe der Zeit alle langlebigen Güter einen Erhaltung, bzw. Renovierungs- oder Austauschbedarf durch Abnützung erfordern.
Mit anderen Worten: Eine Volkswirtschaft wird nicht ärmer, wenn das gleiche wie im Jahr zuvor produziert wird, im Gegenteil, auch dann wird der Warenbestand vermehrt.
Nochmal mit Zahlen an einem Beispiel:
Der
Bestand an langlebigen Esstischen für 16 Personen beträgt zum Zeitpunkt X
100.000 Stück.
Es wurden und werden jedes Jahr 4.000 weitere dieser Tische
hergestellt.
Dieses Wachstum ist ein Nullwachstum! Es ist
nicht 4%, wie viele zunächst vermuten.
Warum? Richtig ist, das
der Bestand von 100.000 auf 103.200 Tischen gestiegen ist, wenn 800
Tische durch Verschleiß oder Gewalt ersetzt werden mußten. Der Bestand
ist um 3,2% gestiegen. 0,8% sind
eine Erhaltungsproduktion gewesen. Da jedes Jahr 4.000 Tische
hergestellt werden, ist der Zuwachs der jährlichen
Produktion jedoch null (4.000 – 4.000 = 0). Weil die jährliche
Produktionsmenge nicht steigt, liegt ein NULLWACHSTUM vor.
Der materielle Wohlstand ist trotzdem gestiegen
allgemeines Beispiel zur Bestandsmehrung bei Nullwachstum aus einem privaten
Haushalt.
Das jährliche gleichbleibende Einkommen
übersteigt die Ausgaben für den regelmäßigen
Bedarf (Lebensmittel, Kleidung, Energie, ...) und sonstiger Fixkosten. Die übrigen
Mittel dienen zum Erwerb von längerlebigen Gütern (Z.B.
Möbel, Fahrzeuge, Elektrogeräte, ...). Die Menge der
mittel- und langlebigen Güter nimmt permanent zu, ein Blick in
die Rumpelkammer, Speicher, Keller, Garagen oder die Betrachtung des
Inventars genügt als Nachweis.
Obwohl ein Nullwachstum
vorliegt (Einkommen = const.), wird der Haushalt materiell jedes Jahr
reicher (Bestand an Waren nimmt zu).
Schlussfolgerung
Wird in der heutigen Wirtschaft der Begriff Wachstum
verwendet, ist damit nicht das Wachstum des Volksvermögens
gemeint, sondern das Wachstum der jährlichen
Produktionsmenge.
Selbst bei Nullwachstum steigt das
Volksvermögen und die Privatvermögen. (siehe nachfolgende Grafiken). Die
Forderung vieler Wirtschaftswissenschaftler nach mehr Wachstum
(=Produktionswachstum) ist ganz einfach nicht dauerhaft möglich,
da die Güterbestände auf eine unendlich große Menge
anwachsen müssen.
Da es auch immer einen Produtivitätszuwachs gibt, führt
"Nullwachstum" zu Arbeitslosigkeit, wenn nicht durch Innovation neue
Produkte hinzukommen ODER andere Massnahmen wie z.B. Arbeitszeitverkürzung
ergriffen werden
Anmerkung
Unendliche Wachstumssteigerungen sind meines
Erachtens nur im Bereich der Theorie wie z.B. in der Mathematik und
in den Köpfen von Fantasten möglich. In der Biologie,
Chemie, Physik, allen Naturwissenschaften und auch in der Wirtschaft
ist exponentielles Wachstum nicht möglich. Forderungen danach,
wie diese seit dem Jahr 2000 verstärkt von Politikern und vielen
Wirtschaftwissenschaftlern fast täglich wiederholt werden,
gehören meines Erachtens schlichtweg in das Reich der Fantasie. Es
wäre besser, sich einmal Gedanken über den eigentlichen
Motor der permanenten Steigerungen Gedanken zu machen. Ich schlage
vor, sich einmal die Funktionsweise des Geldes anzuschauen.
Der nun folgende Abschnitt beschreibt verschiedene Wachstumsarten. Alle aufgeführten Wachstumsarten kommen in der Natur vor.
Anschließend wird die Wirkung der jeweiligen Wachstumsart auf den Bestand ausgeführt.
im letzten Teil wird der Bestandverlauf inclusive einer Erhaltungsmenge betrachtet
Die Punkte, die den Kurvenverlauf ergeben, setzen sich aus
den jährlichen Prodkutionsmengen zusammen.
Betrachtet werden
Der Startwert ist 100
Nach 20, 50, 100 und 200 Jahren ergeben sich folgende Verläufe




Hier dazu die jährlichen Produktionsmenge nach jeweils x Jahren für alle 4 Wachstumsarten
| Jahr | 5% Wachstum | lineares Wachst. | Nullwachst. | -2% Wachst. |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 105 | 105 | 100 | 98 |
| 10 | 162 | 150 | 100 | 82 |
| 20 | 265 | 200 | 100 | 67 |
| 50 | 1.146 | 350 | 100 | 36 |
| 70 | 3042 | 450 | 100 | 24 |
| 100 | 13.150 | 600 | 100 | 13 |
| 150 | 151.000 | 850 | 100 | 5 |
| 200 | 1.729.300 | 1.100 | 100 | 2 |
Schon nach 70 Jahren ist die jährliche
Produktionsmenge bei 5% Wachstum jedes Jahr 30 mal so
groß wie im Anfangsjahr und schon 30 Jahre später (im Jahr 100)
ist diese 131 mal so gross wie im ersten Jahr
mit anderen Worten:
nach 70 wird soviel produziert wie in den ersten 18 Jahren zusammen
(bei linearem Wachstum: Summe der ersten 3 Jahre),
nach 100 wird soviel produziert wie in den ersten 41 Jahren zusammen
(bei linearem Wachstum: Summe der ersten 4,5 Jahre),
nach 200 wird soviel produziert wie in den ersten 138 Jahren zusammen
(bei linearem Wachstum: Summe der ersten 8 Jahre).
Die Zunahme des Bestands ist abhängig vom Bestand des ersten Jahres. Um eine grafische Darstellung zu ermöglichen wird der Bestand (vor der ersten Jahresproduktion) auf den Wert 10.000 Einheiten gesetzt. Die Bestandzunahme im 1.Jahr beträgt 2.000 Einheiten.
Um eine Vergleichbarkeit mit den oberen Grafiken sicherzustellen, werden wieder die Verläufe nach 20, 50, 100 und 200 Jahren dargestellt.




Auch im Bestand führt das prozentuale oder exponentielle Wachstum zu einem unendlich großen Bestand. Doch ist das bis jetzt nur eine reine Theorie, ohne Berücksichtigung der Erhaltungsleistung. Ein zunehmend größerer Teil der jährlichen Produktion wird ja zum Erhalt des Bestands benötigt.
Wird auch der Reproduktionsanteil berücksichtigt, dann ergeben sich nachfolgende Verläufe
Um eine Vergleichbarkeit mit den oberen Grafiken sicherzustellen, werden
wieder die Verläufe nach 20, 50, 100 und 200 Jahren dargestellt. Der
Anfangsbestandswert sind 10.000 Einheiten und die Produktion des ersten Jahres sind
2.000 Einheiten.
Der jährliche Anteil der Erhaltungsproduktion wird mit 15% vom jeweiligem Bestand
angesetzt. Um diesen Anteil verringert sich die Bestandszunahme jedes Jahr.




Immer noch steigt der Bestand bei prozentualem Wachstum auf fast unendlich große Werte an. Ein prozentuales/exponentielles Wachstum ist vollkommen unmöglich zu realisieren. Dass ein Teil der Produktion zum Erhalt des Bestands benötigt wird, ist leicht verständlich, denn alles was benutzt wird, geht nun einmal kaputt und Bedarf eines Ersatzes oder einer Reparatur. Dieser Anteil wirkt nicht bestandsvermehrend.
Selbst das lineare Wachstum vermehrt dauerhaft den Bestand. Einzig das Nullwachstum geht in einen konstanten Wert über, eine Bestandszunahme findet nicht mehr statt.
Das negative Wachstum führt unter den getroffenen Annahmen zu einer Bestandsminderung
Anmerkung
Sollte jetzt jemand auf den Gedanken kommen, daß ein Zerstörungskrieg
eine Lösung ist, dann gebe ich dieser Lösung im Prinzip recht, das
funktioniert schon. Nur möchte ich denjenigen, die das ernsthaft wollen, doch
noch einmal zum Nachdenken auffordern, ob es nicht vielleicht auch andere Wege gibt,
als einfach mal wieder alles kaputtzumachen.
Anmerkung
Es existieren andere Wege und Lösungen. Diese Wege bedeuten NICHT, daß wir auf
Annehmlichkeiten und materiellem Wohlstand verzichten müssen -->
z.B. Artikel Nullwachstum. Es gibt
natürlich auch Stimmen, die als eine Lösung die Rückkehr
zur Steinzeit als Alternative verbreiten. Doch die Menschen, die
das verbreiten, haben entweder nicht nachgedacht oder vertreten ganz bewusst
ganz bestimmte Interessen.
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Axel Grimm |
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* 1963 im Ammerland, Niedersachsen |
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